von Karin Leeb & Ulrike Kinz
Der 8. März hatte es in sich! Weltfrauentag (mit vielen hochinteressanten Veranstaltungen) und Internationale Tourismusbörse in Berlin (wo Elisabeth Lerchner und ich den Hochschober an einem Stand präsentierten). Dann auch noch eine Einladung zu den Alpbach Talks in der Hofburg mit drei charismatischen Wirtschafs-Vordenkern: Karl Schwarzenberg, Christian Felber und Tomáš Sedláček im Gespräch mit Barbara Tóth. Was tun, um diesen Abend nicht zu verpassen? Ich bat Ulrike Kinz, unsere Frau des Vertrauens wenn es um Kommunikation geht, dort für uns die Ohren zu spitzen. Hier ist ihr Bericht:
„So voll habe ich den Redoutensaal in der Wiener Hofburg noch nie gesehen. Gut 1.000 Menschen waren zur Veranstaltung der „Alpbach Talks“ gekommen. Kein Wunder, denn das Podium war äußerst prominent besetzt: Karl Schwarzenberg, Außenminister der Tschechischen Republik. Tomáš Sedláček, der mit seinem kürzlich auf Deutsch erschienenen Buch „Die Ökonomie von Gut und Böse“ breite Aufmerksamkeit weckt. Christian Felber, Gründer der Gemeinwohl-Ökonomie, der an diesem Abend auch die Neuauflage seines Buches über die Gemeinwohl-Ökonomie präsentierte. Durch das Gespräch führte die Journalistin Barbara Tóth.
Wie kam es zur Krise in Wirtschaft, Politik und Gesellschaft? Worin besteht die Krise? Und welche Wege führen aus der Krise?
Karl Schwarzenberg, pointiert und „spitzbübisch“, wie man ihn aus Interviews kennt, sieht die Verantwortung – respektive Verantwortungslosigkeit – bei den Politikern. Für sie ist, wie für viele von uns, die Krise (noch?) nicht spürbar. Die Politiker sind es, die mehr Geld ausgeben, als da ist. Zwar weiß er als Forstwirt, dass Bäume nicht in den Himmel wachsen können, doch ein Abgehen von der Idee des ständigen (Wirtschafts-)Wachstums hält er auf europäischer Ebene nicht für realistisch. Allerdings, so Schwarzenberg: „Wenn wir uns nicht verändern und an die Zukunft denken, wird Europa zu einem sympathischen Tourismus-Kontinent, den die Menschen nur besuchen, um zu genießen. Nicht, um etwas zu lernen.“
Christian Felber zuzuhören, ist immer wieder ein Genuss. Sachlich und klar reiht er ein schlüssiges Argument ans andere. Für ihn ist die Krise eine Wertekrise, die den Egoismus zum Blühen bringt. Den grundlegenden Systemfehler sieht er darin, dass wir nicht das Erreichen von Zielen messen – zum Beispiel die Erhaltung oder Hebung der Lebensqualität, sondern einzig die Vermehrung von Geld. Seine Lösung ist die demokratisch entwickelte Gemeinwohl-Ökonomie, die Tugenden belohnt – wie den Beitrag eines Unternehmens zum Gemeinwohl, und nicht Laster. Wie sich die Gemeinwohl-Ökonomie in der Praxis bewährt, erproben derzeit 556 Unternehmen in 13 Staaten und vor allem jene Unternehmen, die eine Gemeinwohl-Bilanz legen, wie zum Beispiel das Hotel Hochschober.
Tomáš Sedláček spricht nicht nur lupenreines Englisch, er versteht es auch bestens, komplexe Inhalte verständlich auf den Punkt zu bringen. In seiner Analyse bediente er sich biblischer Bilder: Statt in den 7 fetten Jahren für die 7 mageren Jahre zu sparen, haben wir in den 7 fetten Jahren alles aufgegessen und noch ein bisschen mehr. Oder, um bei Adam und Eva und dem Apfel zu bleiben: Wir lassen uns dazu verlocken etwas zu nehmen, was wir nicht brauchen. Wir leiden an Über-Konsum, „wir sind reich, fühlen uns aber arm.“
Deutlich wird das, wenn man „debts“ (= Schulden) durch „sins“ (= Sünden) ersetzt. In diesem Sinne liegt auch für ihn das Problem unserer Wirtschaftssysteme im ständigen Zwang zum Wachstum. Sedláček sieht es als unumgänglich an, Staatsschulden zu begrenzen und verantwortungsvolles Handeln zu belohnen“.